Im Wiener Rathaus ist der 25. Wiener Frauenpreis verliehen worden. Unter dem Motto „Frauen sichtbar machen“ wurden drei Preisträgerinnen beziehungsweise ein ausgezeichnetes Ensemble geehrt. Im Mittelpunkt stehen Engagement für Gleichberechtigung, gesellschaftliche Teilhabe und die stärkere Wahrnehmung von Frauen in unterschiedlichen Lebensbereichen.
Die Auszeichnungen wurden im Rahmen eines Festakts im Arkadenhof des Wiener Rathauses vergeben. Der Wiener Frauenpreis wurde heuer in den Kategorien „Digitalisierung“, „Alltagsheldin“ und „Zeitzeugin“ verliehen. Die Geehrten erhielten jeweils ein Preisgeld von 3.000 Euro sowie eine von der Künstlerin Vivien Schneider-Siemssen gestaltete Statue.
Auszeichnung für Engagement über Wien hinaus
Für Menschen in Österreich ist der Preis auch deshalb interessant, weil die drei geehrten Beiträge sehr unterschiedliche gesellschaftliche Themen sichtbar machen: den Umgang mit digitalen Risiken, feministisches Engagement im Alltag und die Bedeutung persönlicher Erinnerung für Menschenrechte und gegen Diskriminierung.
Frauenstadträtin Elke Hanel-Torsch bezeichnete die Preisverleihung als Gelegenheit, Frauen auszuzeichnen, die mit ihrer Arbeit Veränderungen in der Gesellschaft bewirken. Ihr Wirken reiche dabei über den persönlichen Handlungsspielraum hinaus. Die vollständige Gleichberechtigung in gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Hinsicht sei weiterhin ein Ziel, an dem gearbeitet werden müsse.
Ingrid Brodnig erhält Preis in der Kategorie „Digitalisierung“
In der Kategorie „Digitalisierung“ wurde die österreichische Journalistin und Autorin Ingrid Brodnig ausgezeichnet. Sie beschäftigt sich kritisch mit digitalen Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft.
Zu ihren Themen zählen unter anderem die sogenannte Manosphere, Incels und Deepfakes. In ihrer journalistischen Arbeit und in ihren Büchern analysiert Brodnig, wie Digitalisierung mit Hass, Desinformation und gesellschaftlicher Polarisierung zusammenhängt. Zugleich zeigt sie Strategien auf, wie diesen Entwicklungen begegnet werden kann.
Für ihr Engagement wurde Brodnig bereits mehrfach ausgezeichnet. Genannt wird unter anderem der Bruno-Kreisky-Sonderpreis für das politische Buch. Außerdem war sie Österreichs „Digitale Botschafterin“ in der Europäischen Union.
Die Würdigung verweist damit auf ein Thema, das viele Menschen im Alltag betrifft: Informationen, Meinungen und Konflikte werden zunehmend online verbreitet. Der Preis hebt jene Arbeit hervor, die digitale Phänomene verständlich macht und problematischen Entwicklungen entgegentritt.
Der femchor ist „Alltagsheldin“
Die Auszeichnung in der Kategorie „Alltagsheldin“ ging an den femchor. Der selbstorganisierte feministische Chor wurde 2020 in Wien gegründet. Im Zentrum stehen Inklusion und die Sichtbarkeit genderqueerer Personen.
Das Ensemble verbindet mehrstimmigen Gesang mit politischem Aktivismus. Zum Repertoire gehören Pop-Arrangements ebenso wie Lieder des feministischen Widerstands. Der femchor tritt nicht nur auf Kulturbühnen auf, sondern auch bei Demonstrationen.
Mit seinem Engagement setzt sich der Chor für Gleichberechtigung und gegen patriarchale Strukturen ein. Die Auszeichnung macht damit eine Form des Einsatzes sichtbar, die Kultur und gesellschaftspolitisches Engagement miteinander verbindet.
Katja Sturm-Schnabl als „Zeitzeugin“ geehrt
In der Kategorie „Zeitzeugin“ wurde Katja Sturm-Schnabl ausgezeichnet. Sie wurde 1936 als Kärntner Slowenin geboren und überlebte als Kind die Deportation sowie die Haft in nationalsozialistischen Lagern.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Sturm-Schnabl Slawistin. Mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit zur slowenischen Kulturgeschichte Kärntens prägte sie die Forschung. Bis heute engagiert sie sich als Zeitzeugin für Erinnerungskultur, Menschenrechte und gegen Diskriminierung.
Ihr langjähriger Einsatz wurde bereits 2015 mit dem Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich gewürdigt. Die Ehrung beim Wiener Frauenpreis unterstreicht die Bedeutung ihrer persönlichen Geschichte und ihrer Arbeit für eine bewusste Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.
Unabhängige Jury entschied über Vergabe
Über die Vergabe des Frauenpreises entschied eine unabhängige Jury. Ihr gehörten die Journalistinnen Brigitte Handlos, Hanna Herbst und Tessa Prager an. Für den musikalischen Rahmen der Veranstaltung sorgte der femchor, der an diesem Abend zugleich selbst ausgezeichnet wurde.
Der Wiener Frauenpreis wird seit 25 Jahren vergeben. Eine Übersicht über alle bisherigen Preisträgerinnen ist über die Stadt Wien abrufbar. Die diesjährigen Auszeichnungen zeigen, wie unterschiedlich Engagement für Gleichberechtigung aussehen kann: durch journalistische Aufklärung, gemeinschaftliches kulturelles Handeln oder die Weitergabe historischer Erfahrungen.
Quelle
HANEL-TORSCH: PREISTRÄGERINNEN BEIM GROSSEN 25. WIENER FRAUENPREIS ZUM 25. JUBILÄUM GEEHRT