Wien beschleunigt geförderte Wohnhaussanierungen mit Geothermie

Wien setzt bei der Sanierung älterer Wohnhäuser verstärkt auf Energieeffizienz und erneuerbare Wärme. Im Rahmen der Offensive „Wir SAN Wien“ wurden im ersten Halbjahr 2026 mehr als 100 geförderte Sanierungsprojekte fertiggestellt. Ein Beispiel dafür ist ein Gründerzeithaus in der Iglaseegasse 37 in Döbling.

Das im Jahr 1908 errichtete Gebäude mit Straßen- und Hoftrakt wird seit Mai umfassend erneuert. Ziel ist es, die historische Bausubstanz mit ihren Jugendstilelementen zu erhalten und gleichzeitig den Energieverbrauch deutlich zu senken. Zusätzliche Verbesserungen sollen außerdem den Wohnkomfort für die Mieterinnen und Mieter erhöhen.

Geothermie für ein Gründerzeithaus

Das zentrale Element des Projekts ist ein neues Geothermiekonzept. Dafür entsteht ein sogenanntes Anergienetz, das über vier Tiefenbohrungen auf öffentlichem Grund gespeist wird. Auch das benachbarte Wohnhaus soll an dieses Netz angeschlossen werden.

In den 13 Wohnungen ersetzen dezentrale Wärmepumpen die bisherigen Gasthermen. Sie übernehmen künftig das Heizen, die Warmwasserbereitung und die Kühlung. Je nach Wohnung werden Heiz- und Kühldecken oder Fußbodenheizungen eingebaut.

Eine Photovoltaikanlage auf dem Flachdach des Hoftrakts soll zusätzlich Strom für das Haus liefern. Damit verbindet die Sanierung mehrere Maßnahmen zur Umstellung auf eine klimafreundlichere Energieversorgung.

Schutz vor Hitze und weniger Energieverbrauch

Neben der neuen Wärmeversorgung umfasst das Vorhaben eine Reihe weiterer baulicher Verbesserungen. Gedämmt werden die hofseitigen Fassaden, die Innenhöfe, die Feuermauer sowie das Flachdach des Hoftrakts. Außerdem kommen Wärmeschutzfenster zum Einsatz.

Das Flachdach wird extensiv begrünt. An der südseitigen Fassade schützt ein außenliegender Sonnenschutz die Wohnungen künftig vor übermäßiger Erwärmung im Sommer. Die Sanierung soll damit nicht nur den Energiebedarf reduzieren, sondern auch den Umgang mit steigenden Temperaturen erleichtern.

Darüber hinaus werden die letzten Wohnungen der früheren Kategorie C auf den modernen Standard A angehoben. Für die Bewohnerinnen und Bewohner bedeutet das eine Verbesserung der Wohnqualität innerhalb eines umfassenden Sanierungsprogramms.

Sanierung historischer Häuser als Schwerpunkt

Für Wien sind solche Projekte besonders relevant, weil ein großer Bestand an Altbauten und Gründerzeithäusern das Stadtbild prägt. Diese Gebäude tragen zum Charakter vieler historischer Grätzl bei und bilden zugleich einen wichtigen Teil des Wohnungsbestands.

Die Stadt verbindet daher die Erhaltung der historischen Bausubstanz mit thermischen und energetischen Verbesserungen. Das Projekt in der Iglaseegasse zeigt, dass Geothermie und dezentrale Wärmepumpen nicht nur bei Neubauten eingesetzt werden können, sondern auch bei der Modernisierung älterer Wohnhäuser.

Bilanz der geförderten Wohnhaussanierung

Die Sanierungsoffensive „Wir SAN Wien“ soll Wohngebäude und Häuserblocks in den kommenden Jahrzehnten erneuern und die Wiener Grätzl zukunfts- und klimafit machen. Im ersten Halbjahr 2026 wurden nach Angaben der Stadt rund 100 geförderte Sanierungsprojekte mit Gesamtbaukosten von 85 Millionen Euro fertiggestellt.

Die dafür ausgewiesene Gesamtfördersumme betrug 44 Millionen Euro. Davon entfielen 33 Millionen Euro auf Landeszuschüsse und 11 Millionen Euro auf Landesdarlehen. Insgesamt befanden sich zum damaligen Zeitpunkt 267 geförderte Projekte der Wohnhaussanierung in Bau.

Im selben Zeitraum wurden außerdem mehr als 2.710 Beratungen durch die Sanierungsberatung „Hauskunft“ durchgeführt. Bei 76 Veranstaltungen informierten sich über 1.380 Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Sanierung und Dekarbonisierung von Gebäuden.

  • Mehr als 100 geförderte Sanierungsprojekte wurden im ersten Halbjahr 2026 fertiggestellt.
  • 267 weitere Projekte befanden sich in Bau.
  • Die Gesamtbaukosten der fertiggestellten Projekte lagen bei 85 Millionen Euro.
  • Die Fördersumme betrug insgesamt 44 Millionen Euro.

Kostenlose Beratung rund ums Sanieren

Für Fragen zur Sanierung und zur Umstellung auf klimafreundliche Energieversorgung steht die Beratungsstelle „Hauskunft“ des wohnfonds_wien kostenlos und unabhängig zur Verfügung. Der wohnfonds_wien begleitet geförderte Sanierungen im Auftrag des Landes Wien und wickelt diese während der Umsetzung ab.

Das Beispiel aus Döbling macht deutlich, worauf die Wiener Sanierungsoffensive abzielt: Historische Wohnhäuser sollen erhalten bleiben, zugleich aber technisch, energetisch und beim sommerlichen Wärmeschutz an heutige Anforderungen angepasst werden.

Quelle

Hanel-Torsch: Wiener Sanierungsturbo - Geförderte Wohnhaussanierungen auf der Überholspur

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