Mehrwegflaschen in Österreich: Warum Bier beim Einkauf besonders gut abschneidet

Beim Griff ins Getränkeregal entscheiden sich viele Menschen in Österreich zunehmend für Mehrweg. Besonders deutlich zeigt sich dieser Trend beim Bier: Laut einem Bericht des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft wurden 2025 im Lebensmittelhandel 62,7 Prozent des gesamten Biervolumens in Mehrwegflaschen verkauft.

Insgesamt ist der Anteil von Mehrweggebinden bei Getränken im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel im Jahr 2025 von 20,2 auf 22,6 Prozent gestiegen. Damit geht die Entwicklung zwar in die richtige Richtung, die gesetzlich festgelegten Ziele sind laut DIE UMWELTBERATUNG aber noch nicht erreicht.

Bier ist Spitzenreiter bei Mehrweg

Beim Vergleich verschiedener Getränkearten liegt Bier deutlich an der Spitze. Milch und Wasser wurden 2025 jeweils zu rund 11 Prozent in Mehrwegflaschen verkauft. Bei Saft lag der Anteil bei 4,3 Prozent, bei Limonaden sogar nur bei 3,9 Prozent.

Gerade bei Limonaden sehen die Fachleute noch großes Potenzial. Ihr Absatzvolumen macht 30,3 Prozent aller Getränke aus. Ein größeres und besser beworbenes Mehrwegangebot könnte daher einen spürbaren Unterschied machen.

Der allgemeine Anstieg beim Mehrweganteil hängt auch mit neuen Rahmenbedingungen zusammen. Seit 2024 muss der Lebensmittelhandel bei den meisten Getränkearten zumindest einen kleinen Teil in Mehrweggebinden anbieten. Zusätzlich könnte die Einführung des Einwegpfands die Entwicklung beeinflusst haben.

Einwegpfand und Mehrwegpfand sind nicht dasselbe

Dass sowohl Einweg- als auch Mehrwegflaschen mit Pfand verkauft werden, kann beim Einkauf für Verwirrung sorgen. In beiden Fällen wird die Verpackung zurück ins Geschäft gebracht. Der weitere Weg ist jedoch unterschiedlich.

  • Einwegpfand: Flaschen und Dosen werden gesammelt und recycelt. Das Material kann für neue Verpackungen oder andere Produkte verwendet werden. Beim Recycling kommt es allerdings zu Materialverlusten. Für die Produktion einer PET-Flasche werden laut DIE UMWELTBERATUNG rund 1,4 Flaschen sortenrein gesammeltes Ausgangsmaterial benötigt.
  • Mehrwegpfand: Die Flaschen werden zurückgegeben, gereinigt und erneut befüllt. Eine Mehrwegflasche kann bis zu 50-mal verwendet werden. Dadurch lassen sich Abfall und Rohstoffe einsparen.

Wer beim Einkauf bewusst Mehrweg wählen möchte, sollte daher nicht nur auf das Pfandzeichen achten. Einweg- oder Mehrwegflaschen müssen am Regal klar gekennzeichnet sein. Auch in Online-Shops muss diese Information angegeben werden. Häufig steht der Hinweis „Mehrweg“ zusätzlich direkt auf der Flasche.

Mehrweg spart Abfall und Rohstoffe

Mehrwegflaschen passen zum Prinzip der Kreislaufwirtschaft: Die Verpackung bleibt möglichst lange im Umlauf, anstatt nach einer einzigen Nutzung verarbeitet zu werden. Besonders empfehlenswert sind laut DIE UMWELTBERATUNG Mehrwegprodukte aus der Region.

Das im Abfallwirtschaftsgesetz festgelegte Ziel sieht vor, den Anteil der Mehrweggebinde an den insgesamt in Verkehr gesetzten Getränken bis 2025 auf 25 Prozent und bis 2030 auf 30 Prozent zu erhöhen. Mit 22,6 Prozent im Lebensmittelhandel lag Österreich 2025 noch unter dem genannten Zwischenziel.

Der Experte Elmar Schwarzlmüller von DIE UMWELTBERATUNG spricht deshalb von einer positiven, aber noch zu geringen Entwicklung. Für weitere Fortschritte seien eine Verschärfung der Vorgaben oder zusätzliche Maßnahmen zur Förderung von Mehrweg nötig.

Auch im Alltag gibt es Alternativen

Mehrweg beschränkt sich nicht auf Getränkeflaschen. Bei Take-away-Speisen bieten manche Gastronomiebetriebe Mehrwegverpackungen an. In vielen Lokalen können Kundinnen und Kunden das Essen auch in mitgebrachte Boxen füllen lassen. Wiener Betriebe können mit eigenen Aufklebern auf diese Möglichkeit hinweisen.

Auch beim Kaffeekauf sind Mehrweglösungen möglich. Einige Geschäfte verwenden Mehrweg-Pfandbecher, vielfach kann Kaffee außerdem in einen selbst mitgebrachten Thermobecher gefüllt werden. Ein zusätzlicher Vorteil: Im Mehrweg-Thermobecher bleibt das Getränk länger warm.

Weitere Möglichkeiten finden sich beim Einkauf von Lebensmitteln:

  • Milch, Joghurt, Sauerrahm und Schlagobers sind in vielen Geschäften im Mehrwegglas erhältlich.
  • Waren von der Feinkost-Theke können in mitgebrachte Behälter gefüllt werden.
  • Mehrweg-Einkaufstaschen vermeiden Einwegsackerl und können langfristig Geld sparen.
  • Bei Nachfüllstationen lassen sich etwa Reinigungsmittel direkt in eigene Behälter abfüllen.

Leitungswasser kommt ohne Verpackung aus

Die einfachste Möglichkeit, Verpackungen bei Getränken zu vermeiden, ist Leitungswasser. Es kommt ohne Flasche und ohne zusätzliche Transportwege direkt ins Haus. Wer dennoch Mineralwasser oder andere Getränke kauft, kann am Regal gezielt nach Mehrweg greifen.

Weitere Informationen bietet DIE UMWELTBERATUNG in den Infoblättern „Ranking der Getränkeverpackungen“ und „Mehrweg“. Eine persönliche Beratung zu Mehrwegverpackungen und ökologischem Handeln im Alltag ist außerdem über die Hotline 01 803 32 32 möglich.

Quelle

Mehrwegflaschen: Biertrinker*innen beim Einkauf vorbildlich

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